Das Gardone der Belle Epoque

Einstündiger  Spaziergang  von  Gardone  Sotto  nach  Fasano  Sotto.  

Der  Spaziergang  soll  uns  das  prä-dan- nunzianische Gardone vor Augen und  damit  in  eine  Zeit  -  vor  dem  Ersten  Weltkrieg  -  führen,  als  Gardone  international  bekannter Winterkurort  und  Treffpunkt  des  Jet-set  der  Belle  Epoque war.  Das erste Zeugnis aus jener Zeit ist das  Savoy Palace Hotel,  eines der drei heute  noch  betriebenen  "historischen"  Grand  Hotels. 

Im  Jahre  1906  im  Wiener  Jugendstil  erbaut,  erlebte  es  seine  höchste  Blüte  allerdings  erst  in  der  Zwischenkriegszeit,  als  Gäste  wie  Prinz  Carol  von  Rumänien  (1926)  oder  der  italienische  Thronfolger  Umberto  von  Savoyen  (1932)  dort  abstiegen.  Das  Grand  Hotel  Gardone  hatte  seine  Pforten schon im Jahre  1883  geöffnet.  

Es  war  jahrzehntelang  das  unbestrit- ten  erste  Hotel  von  Weltruf  am  Gardasee.  Der  Platz  vor  seinem  Garteneingang  „ist  nach  seinem  Erbauer,  dem  Österreicher  Ludwig  Wimmer,  benannt.  Er  gilt  als  "Entdecker"  des  touristischen  Gardone.  Die  meisten  Relikte  aus  Gardones  "mitteleuropäischer"  Vergangenheit  finden  sich  beiderseits  des  Corso  Zanardelli.  Der  erhöhte  Gehsteig zu  seiner Linken war bis  zur  Schaffung  des  Lungolago  im  Jahre  1909  die  "Kurpromenade". 

Das  erste,  an  dem wir vorbeikommen  ist  links  die  Villa  Alba  (Corso  Zanardelli  73),  das  mit  seiner  Prachttreppe  und  seinen  ionischen  Säulen  bis  heute  eindrucksvollste  Bauwerk  in  Gardone.  Es  stammt  aus  den  Jahren  1904-1910.  Sein  Bauherr  war  der  deutsche  Unternehmer  Richard  Langensiepen  aus  Magdeburg.  

Auch  der  Ruhlandturm  am Seeufer  - heute  Torre  San  Marco  -  verdankt  Herrn  Langensiepen  seine  Entstehung.  Er  wurde  um  das  Jahr  1900  als  Aussichtsturm  am  Eingang  eines  kleinen  Hafenbeckens  er-  und  25  Jahre  später  von  D'Annunzio  im  venezianisch-militärischen  Stil  umge- baut.  

Rechter  Hand  (Hausnummer  132)  sehen  wir  die  elegante  Villa  Fiordaliso.  Sie  präsentiert  sich  seit  dem  Jahre  1930  im  Stil  der  Neu-Rennaissance und beherbergt heute ein renommiertes Restaurant.

Während der  Republik von Salò (1943-1945) warte te dort Clara Petacci auf ihren  Geliebten Benito Mussolini.  

In der daneben liegenden Villa  Itolanda (Hausnummer 158) verbrachte der Schriftsteller und erste deutsche  Literatur-Nobelpreisträger Paul Heyse  (1830-1914) die Wintermonate von  1899 bis 1909. Hier entstanden seine  "Novellen vom Gardasee", sein  "Wintertagebuch" und seine  "Frühlingsgedichte".  

Das Casinò (Nummer 166) aus dem  Jahre 1909 entstand als "Kurhaus"  und war damit Mittelpunkt des  Kurlebens. Die Terrasse, auf der heute  ein Restaurant betrieben  wird, war die "Wandelhalle",  die es mit dem westlich anschliessenden Kurgarten verband. Bis zum Jahre  1911 und für jeweils kurze Zeit nach  den beiden Weltkriegen war das  Casinò - daher sein Namen - auch  Spielbank.  

Die neugotische Evangelische  Kirche stammt aus dem Jahre 1897.  Sie ist mit denen von Arco, Nervi,  Bordighera und Capri eines der wenigen protestantischen Gotteshäuser in  Italien. An dem aus den letzten Jahren  des 19. Jahrhunderts stammenden  Grand Hotel Fasano vorbei erreichen  wir die Schiffsanlegestelle von Fasano.  Wenn wir Glück haben, kommt gera- de ein Dampfer vorbei, der uns - nun  mehr auf der Schauseite der bisher  nur von hinten erlebten Villen - zurück nach Gardone bringt.